Veranstaltungen des Landesverbandes
13. Ostdeutscher Kulturtag

Herzliche Grußworte überbrachte
Herr Staatssekretär Martin Gorholt
vom Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur den Heimatfreunden
zu ihrem 13. Ostdeutschen Kulturtag am
18.09.2010 in Erkner
Grußworte von Herrn Staatssekretär Martin Gorholt,
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur
zum 13. Ostdeutscher Kulturtag am 18.9.2010
Meine Damen und Herren,
ich freue mich sehr über ihre Einladung zum heutigen 13. Ostdeutscher Kulturtag. Zuerst möchte ich Ihnen herzliche Grüße des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck überbringen.
Das Land Brandenburg feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag.
20 Jahre Brandenburg stehen zuallererst für den Mut, den die Menschen bei uns im Land in dieser Zeit immer wieder bewiesen haben. In harter Arbeit und unter großem Einsatz haben die Brandenburger, zu
denen Sie auch gehören, das Land aufgebaut.
Heute sind unsere Städte und Dörfer schöner denn je, unsere Naturlandschaften gesund, unsere Unternehmen modern. Sie sind sogar so stark, um von einer globalen Wirtschaftskrise nicht gleich aus der Bahn geworfen zu werden. Brandenburg ist ein modernes zukunftsorientiertes Land geworden. Daran haben Sie als Brandenburger einen wichtigen Anteil – in der Wirtschaft, in der Politik und nicht zuletzt im kulturellen Leben.
Der Ostdeutscher Kulturtag des Landesverbands Brandenburg hat längst Tradition. Sie pflegen damit die Kultur Ihrer Heimat, aus der sie vertrieben worden sind.
Der Bund der Vertriebenen fordert, Vertreibung weltweit zu ächten. Auch heute noch gibt es Vertreibung – in Afrika, in Asien, im Nahen Osten und in den Grenzgebieten Europas. Die vertriebenen Menschen überall auf der Welt verdienen unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Aber das genügt nicht. Die Forderung, Vertreibung weltweit zu ächten, ist noch nicht erfüllt.
Heute lösen Berichte über Vertreibung Mitgefühl aus und die Bereitschaft zu helfen. Auch in unserem Land und in den europäischen Nachbarländern. Das war nicht so, als die deutschen in der größten Vertreibung der Geschichte aus ihrer Heimat vertrieben wurden.
Heute gibt es einen breiten internationalen Konsens: Vertreibungen sind Akte gegen die Menschlichkeit und müssen von der Völkergemeinschaft geächtet werden. Allerdings hat diese Entwicklung kaum bewirkt, dass nachträglich auch ein gleiches Mitleid für die deutschen Vertriebenen gewachsen ist, auch nicht in Deutschland.
Wenn wir heute an die Vertreibungen nach 1945 erinnern und der Opfer gedenken, so vergessen wir dabei nicht, welche Verbrechen ihnen vorausgegangen waren: Die Vertreibung der europäischen Juden, Sinti und Roma aus ihrer angestammten Heimat war ein Zivilisationsbruch von unvorstellbarem Ausmaß.
Bereits mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1939 führte die rassenideologische Politik der Nazis zu immensen Umsiedlungs- und Vertreibungswellen. Mit dem Ziel der Germanisierung der polnischen Gebiete wurden polnische Staatsbürger zum Verlassen ihrer Heimat in den neuen "Reichsgauen" Wartheland und Danzig-Westpreußen gezwungen und mussten in das "Generalgouvernement" umsiedeln.
So wenig wir vergessen dürfen, dass die Vertreibungen nach 1945 unmittelbare Folge des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges waren, so wenig dürfen wir dieses Unrecht relativieren.
Staatlich sanktionierte Vertreibung war und ist Unrecht, was auch immer an Verbrechen vorausgegangen ist.
Der heutige 13. Ostdeutscher Kulturtag bietet einen würdigen Rahmen, um an das unvorstellbare Leid von 14 Millionen Menschen zu erinnern, die vertrieben wurden aus ihrer Heimat, in der sie verwurzelt waren und wo ihre Vorfahren seit mehren hundert Jahren gelebt hatten. Hunger, Kälte und Krankheiten waren die ständigen Begleiter der teilweise monatelangen Flucht. Viele Familien werden auseinandergerissen. Fast zwei Millionen Menschen kamen bei den Vertreibungen ums Leben. Dieser Menschen wollen wir heute gedenken.
Wir Nachgeborenen können uns kaum vorstellen, was es für die Menschen aus Schlesien, Pommern, Posen und den Gebieten Ost- und Westpreußens, für Sudetendeutsche und Donauschwaben tatsächlich bedeutet hat, vor einer unsicheren Zukunft in der Fremde zu stehen. Die Jahre nach dem Krieg waren geprägt von Hunger, Not und Wohnungsknappheit. Einheimische wie Flüchtlinge versuchten, ihr Überleben zu sichern. Sie standen vor zerstörten Häusern, Industrie- und Versorgungseinrichtungen. Auf den Straßen herrschte Chaos. Millionen von Vertriebenen, Flüchtlingen, befreiten Häftlingen der Konzentrationslager und Gefängnisse, Zwangsarbeitern und aus dem Kriegsdienst Entlassenen suchten nach Angehörigen und einem neuen Zuhause.
Brandenburg glich bei Kriegsende einem Durchgangsbahnhof von Ost nach West, und von West nach Ost: An der Oder stauten sich die Menschenmassen der nach Westen oder wieder in ihre Heimat strebenden Deutschen, gleichzeitig wollten aber auch die polnischen, ukrainischen und sowjetischen Frauen und Männer in ihre Heimat, die für die deutsche Rüstungswirtschaft Zwangsarbeit hatten leisten müssen. Von Mai bis Oktober 1945 wurden in Brandenburg ca. 600.000 Flüchtlinge und Vertriebene gezählt. Schätzungen gehen davon aus, dass es doppelt so viele waren.
Es gab Hilfsbereitschaft und Anteilnahme, doch die meisten der Vertriebenen erlebten Ablehnung und Misstrauen, sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR. Nur zögernd und widerwillig wurde Ihnen Wohnraum zur Verfügung gestellt. Provisorisch aufgebaute Baracken mussten teilweise noch Jahre nach Kriegsende als "Wohnung " dienen. Hinzu kam, dass die Menschen in nur in den seltensten Fällen in ihren alten Berufen weiterarbeiten konnten. Bei vielen war der soziale Abstieg nicht aufzuhalten.
In der alten Bundesrepublik wurden die Vertriebenen durch das Soforthilfegesetz aus dem Jahr 1949 und das Lastenausgleichsgesetz 1952 unterstützt. Diese immensen Leistungen des Staates, vor allem aber die Leistungen der Vertriebenen selbst und ihre Bereitschaft, sich trotz der genannten Schwierigkeiten für den Wiederaufbau des zerstörten Landes zu engagieren, müssen gewürdigt werden.
In der DDR wäre ein Treffen wie der heutige Ostdeutscher Kulturtag vollkommen unmöglich gewesen. Die Staatsdoktrin machte die über vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen in der DDR zunächst zu "Umsiedlern", später zu "Neubürgern". Die Vertriebenen erhielten staatliche Hilfen wie die Einquartierung in Privatwohnungen und Landzuteilungen bei der Bodenreform. Ihr Schicksal, ihre Lebensgeschichten wurden verschwiegen, ausgeblendet. Mitte der 1950er Jahre galt die Integration der Vertriebenen in der DDR offiziell als abgeschlossen. Der Historiker Andreas Kossert nennt in seinem Buch mit dem Titel "Kalte Heimat" die Vertriebenen in der DDR die "verschwiegenen vier Millionen".
Angesichts ihrer traumatischen Erfahrungen und des schweren Neubeginns ist es beeindruckend, dass sich die damaligen Dachverbände der Vertriebenen bereits im August 1950 in der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" für die gegenseitige Verständigung und Versöhnung ausgesprochen und sich entschieden zu einem starken Europa bekannt haben. Die Flüchtlinge und Vertriebenen haben eine große Versöhnungsleistung vollbracht, für die ihnen Dank und Anerkennung gebührt. Diese Versöhnungsarbeit ist beispielhaft, wenn es heute darum geht, ein Europa des Dialogs, des gegenseitigen Verstehens und des Miteinanders zu schaffen.
Der Bund der Vertriebenen hat hier eine wichtige Arbeit geleistet, für die ich allen herzlich danken möchte. Heute widmet Ihr Verband insbesondere der Integration und Betreuung der sogenannten Spätaussiedler einen großen Teil der Aufmerksamkeit: Auch dafür möchte ich dem Verband herzlich Dank sagen.
In den Nachbarländern und auch in Deutschland interessieren sich seit den letzten Jahren immer mehr junge Menschen, Wissenschaftler und Künstler für die Erfahrungen und die Erinnerung der Vertriebenen. Sie sind die letzten Zeugen für deutsche Kultur und Geschichte in den östlichen Ländern. Bauwerke, die Jahrhunderte und Kriege überdauert haben, sind wichtige Orte der Erinnerung. Aber was wirklich im Gedächtnis bleibt, sind die Lebensgeschichten der Vertriebenen. Nur sie können der Erinnerung ein Gesicht geben.
Ich möchte den Landesverband des Bundes der Vertriebenen ermutigen, sich der politisch-historischen Bildung noch stärker anzunehmen als bisher.
Ich denke zum Beispiel an eine Mitwirkung bei der öffentlich wirksamen Arbeit des Hauses Brandenburg, das 1998/99 von der Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg als Begegnungsstätte der Vertriebenen errichtet und 2002 der Stiftung Brandenburg als Eigentum übertragen wurde.
Mit einem Museum, einem Archiv und einer Bibliothek wurde das Haus Brandenburg als Dokumentationszentrum der Vertreibung und der Geschichte Ostbrandenburgs ausgebaut. Es widmet sich der Aufgabe, "das kulturelle Erbe Brandenburgs, besonders des ehemaligen ostbrandenburgischen Gebiets, das heute zur Republik Polen gehört, zu pflegen, es im Bewusstsein der Brandenburger, des gesamten deutschen Volkes und im Geiste einer zukunftsorientierten Zusammenarbeit mit Polen zu erhalten, zu erforschen und für die Gegenwart und Zukunft zu erschließen".
Gemeinsam mit der Wojewodschaftsbibliothek in Gorzów (Landsberg/Warthe) veranstaltet die Stiftung Brandenburg eine Vortragsreihe zur "Geschichte der Neumark – einer vergessenen Provinz", auf der polnische und deutsche Wissenschaftler Vorträge halten. Gute Kontakte pflegt das Haus zum Museum des Landes Lubus in Zielona Góra (Grünberg). Das Haus Brandenburg wurde mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie aus Spendenmitteln finanziert. Das Haus nimmt Sammlungs- und Erschließungsaufgaben wahr, kooperiert mit polnischen Partnerinstitutionen und informiert die Öffentlichkeit über das Schicksal der Vertriebenen durch Vorträge von Fachwissenschaftlern. Zukünftige Ausstellungen sollten dabei auch einen Akzent auf die Integration der Menschen im Land Brandenburg setzen.
Seit einigen Jahren ist das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam beheimatet. Das Kulturforum engagiert sich für eine kritische und zukunftsorientierte Auseinandersetzung mit der Geschichte jener Gebiete im östlichen Europa, in denen früher Deutsche gelebt haben oder heute noch leben. Im Dialog mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa will das Kulturforum die Geschichte dieser Regionen als verbindendes Erbe der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn entdecken und einem breiten Publikum anschaulich vermitteln. Das Kulturforum organisiert Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, Konzerte, Preisverleihungen und Tagungen. Das Kulturforum versteht sich als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, zwischen Institutionen und Einzelinitiativen. Mit seiner Arbeit leistet es einen aktiven Beitrag zu internationaler Verständigung und Versöhnung in einem zusammenwachsenden Europa.
Gegenwärtig setzt sich das Kulturforum östliches Europa mit dem Projekt "Studenten machen Schule – Deutsche Kulturgeschichte im östlichen Europa" in Schulen im deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenzgebiet für eine nachhaltige Vermittlung regionaler Identitäten ein. Mit Studierenden, die innovative didaktische Handlungsvorlagen entwickeln und diese dann an den Schulen umsetzen.
Gerade im Grenzgebiet wird deutlich, dass die historischen Regionen früher nicht an den heutigen nationalen Staatsgrenzen endeten und dass sich diese Regionen bis heute einen wahrhaft europäischen, weil grenzüberschreitenden, Charakter bewahrt haben. An der östlichen Grenze Deutschlands sind es die Regionen Neumark und Schlesien in Polen sowie Böhmen in Tschechien, die Gegenstand des Projekts sind. Spätestens seit der Wende 1989/90 ist in diesen Regionen eine Erneuerung regionalen Bewusstseins festzustellen. Die Kinder und Jugendlichen entdecken auf beiden Seiten der Grenzen durch eigene Nachforschungen Geschichte und Geschichten, machen Spuren der eigenen Kultur im anderen Land sichtbar und umgekehrt.
Der Geschichte dieser drei Regionen nachzuspüren, sie anderen zu vermitteln und einen produktiven Aneignungsprozess von Erfahrungen in Gang zu setzen, sind die Ziele des Projekts "Studenten machen Schule – Deutsche Kulturgeschichte im östlichen Europa". Dabei soll den Studierenden und Lehrenden sowie den Schülerinnen und Schülern die verbindende Kraft dieser Regionen bewusst gemacht werden.
Solche Bildungsprojekte halten Geschichte lebendig, vermitteln Erfahrungen, stärken Identitäten für eine gemeinsame Zukunft in einem friedlichen Europa.
Sie, sehr geehrte Damen und Herren, haben eine wichtige Funktion als Brückenbauer, Sie bauen mit Ihrer Arbeit Brücken zwischen der alten und der neuen Heimat. Ich möchte Sie ermutigen und bestärken, diese Funktion als Botschafterinnen und Botschafter der Versöhnung und einer gemeinsamen Zukunft in einem starken und friedlichen Europa zu nutzen. Die Landesregierung steht Ihnen dabei zur Seite.
Für Ihre heutige Veranstaltung und Ihr wichtiges bürgerschaftliches Engagement wünsche ich Ihnen gutes Gelingen und viel Erfolg. Uns allen wünsche ich einen intensiven Tag der Erinnerung, des Miteinanders und des Dialogs.
Das war der...
13. Ostdeutscher Kulturtag der Vertriebenen
Der 13. Ostdeutsche Kulturtag war ein schöner Festtag für die Heimatfreunde des Landesverbandes Brandenburg. An diesem Tag werden sich viele Heimatfreunde gern erinnern. Denn ein sehr
Abwechslungsreiches und interessantes Programm wurde geboten.
Festredner war Herr Staatssekretär Martin Gorholt der auf die Entberungsreiche Zeit hinwies. Flucht und Vertreibung sei die Folge der Verbrechen gewesen, die das von den Nationalsozialisten
gleichgeschalteten Deutschland begangen habe, betonte er in seiner Festrede an die Heimatfreunde. Gleichzeitig überbrachte er auch Glückwünsche vom Ministerpräsidenten des Landes Brandenburgs, Herrn
Matthias Platzeck. Im Anschluß wurde Herr Staatssekrtär Martin Gorhold herzlichst mit Beifall bedacht. DerLandesvorsitzen des BdV Brandenburgs, Herr Harald Heerwagen, dankte dem Staatssekrtär
für seine Grußworte, auch im Namen der über 450 angereisten Heimatfreunde.
Herzlichen Dank an all die jenigen, die den 13.Ostdeutschen Kulturtag zu einem kulturellen erlebniss werden ließen. Danke auch dem Organisator der alle Fäden in der Hand hielt, Herrn Eberhard
Clemens.
